Nach den wunderbaren Ferientagen im Süden und danach im Norden Argentiniens hatte ich leichte Bedenken, dass die letzte Tage, das Herunterfahren von Puerto Iguazu nach Buenos Aires bereits ein Teil einer sehr langen Heimreise sein könnte. Am liebsten hätten wir uns am letzten Abend in Puerto Iguazu gleich nach Hause gebeamt.

Zu unserer Freude haben wir das jedoch überhaupt nicht so erlebt. Zuerst einmal hatten wir uns ja vorgestellt, dass die Provinz Misiones nur aus Regenwald besteht und unser erster Fahrtag bis Posadas durch eine schnurgerade Strasse mit links und rechts dichten Wäldern ohne Sicht auf irgendetwas Anderes führen würde.

Misiones ist viel stärker bevölkert, als wir dies gedacht hätten. Immer wieder gibt es kleinere und grössere Siedlungen. Eine dieser Siedlungen wurde gemäss einem schweizer Kellner, der uns in Puerto Iguaza im Restaurant a Piacere bediente (übrigens eines der besten Essen der ganzen Ferien) von Schweizern gegründet und wir sahen auch einige Anzeichen, dass in der Gegend Auslandschweizer leben: Schweizer Flaggen, Namen wie Schmid, Meichtry und Keller usw. Auch führte die Strasse nicht nur durch dichten Regenwald. Dies ist eigentlich nicht unbedingt positiv, denn leider wurden 2/3 des Waldbestandes gerodet und statt dessen schnell wachsende Pinien für die Zelluloseproduktion angepflanzt. Für unsere Erde ist dies sicher nicht das Beste, für uns machte es die Fahrt etwas abwechslungsreicher.

Nach 300 km Fahrt haben wir Posadas die Hauptstadt der Provinz Misiones erreicht. Unser Hotel hatten wir direkt im Zentrum der 300‘000 Einwohner Stadt gebucht. Da Sonntag war, hatten wir jedoch praktisch keinen Verkehr, so dass wir rasch im Hotel waren. Wir merkten dann rasch, dass fast alle Läden und viele Restaurants zu hatten, deshalb entschlossen wir uns gegen Abend Richtung Strandpromenade zu fahren und uns dort ein Restaurant für das Nachtessen zu suchen.

Nun, wir merkten sofort, warum das Stadtzentrum ausgestorben war. An der Strandpromenade waren so ziemlich alle Einwohner von Posadas versammelt, sei es um ein bisschen zu spazieren und an das andere Ufer nach Paraguay zu schauen, sei es um gemütlich im Klappstuhl ihren Mate Tee zu trinken oder um das tiefgelegte Auto (Typ 80er Jahre) vorzuführen. Wer etwas auf sich hatte, hatte im Kofferraum noch gleich die Musikanlage dabei, mit riesigen Lautsprechern und jeder versuchte den anderen mit Musik zu übertönen. Wenn das jeden Sonntag so abläuft in Posadas haben zumindest die jungen Leute dort bald alle Probleme mit dem Gehör. Es war ein unheimlicher Lärm. Der Sonnenuntergang über dem Rio Parana war trotzdem wunderschön und die Pizza zum Abendessen hat geschmeckt.

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Carlos Pellegrini, gut 200km von Posadas entfernt. Der Ort liegt an einem See, welcher ein Naturschutzgebiet und Heimat für verschiedenste Vögel, Kaimane und Wasserschweine.

Wir wussten, dass Carlos Pellegrini von Posadas aus nur über eine 120km lange Gravel Road erreichbar ist, für unser Auto sicher gerade noch machbar. Denkste, schon kurz nach Einbiegen in die Schotterstrasse liess uns der Anblick nichts gutes hoffen. Schwere Lastwagen hatten wohl während der Regenzeit tiefe Furchen in die Strasse geschnitten und mit unserem alten Renault mussten wir zirkeln, dass wir ja nicht mit dem Rad in so eine Furche gerieten, sonst wären wir unweigerlich aufgebockt. Nachdem wir den ersten Teil der Strecke so zurückgelegt hatten, wurde die Strasse sandig. Mit einem 4×4 wäre dieser Sand absolut kein Problem gewesen, aber so hatten wir schon leise Bedenken. Als dann am Schluss der Strecke noch drei Wasserquerungen kamen, war zumindest ich mit den Nerven ziemlich am Ende. Ich mochte mir nicht ausmalen, was passieren würde, wenn wir im Schlamm stecken blieben. Knapp haben wir es geschafft. Nur wussten wir, am nächsten Tag mussten wir weiter, auch wieder auf Gravel Road. Kein schöner Gedanke.

Das Naturreservat und die Hosteria Nanda Retu ist wirklich wunderschön gelegen. So konnten wir unsere Sorgen betreffend Weiterfahrt erstmal ad Acta legen. Am Abend machten wir eine Bootstour auf dem See und nebst vielen Tieren sahen wir einen wunderschönen, wohl den schönsten Sonnenuntergang unserer Reise. Auch waren wir wieder mit spanisch gefordert, den in Carlos Pellegrini spricht niemand Englisch, geschweige den Deutsch (Wir hatten aber Glück und in der Hosteria war ein älteres argentinisches Paar und Maria war eine Englischlehrerin aus Buenos Aires. Sie hat uns bei einigen Sprachproblemen weitergeholfen.)

Zur Beruhigung aller: Wir haben die 80 km Gravel Road heute morgen gut hinter uns gebracht. Die Strasse war für unser Fahrzeug sicher nicht geeignet, aber wenigstens war es nur sehr steinige Gravel Road. Wir befinden uns nun in Colon ca. 350 km von Buenos Aires entfernt. Von dort starten wir morgen Richtung Tigre am Rio de la Plata.

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5 Kommentare

  1. Ach, da hilft doch wenigstens die Afrikaerfahrung mit den Wasserquerungen, nicht wahr, Adi! Ich hoffe, ihr habt dann ein paar Bildli oder besser noch, Filmchen davon! Bin schon gespannt!!
    Keep care auf der Weiteefahrt!

    1. Ganz so einfach war es leider nicht, aber ja, dank der Erfahrung hat sich Adi ein Herz gefasst und it durchgefahren! Aber wir hatten echt Schwein, dass es geklappt hat

  2. Hei dir zwöi, isch ja sagehaft settegi abetürlechi ferie, gloube dir heit de nähr „ferie“ nötig zum erhole!!!! Gli müesst dir der heiwäg aträtte: mir säge ize scho: härzlech wiukomme ir schwiz u deheime. Mir warte gspannt uf öich!!!! Ganz liebi grüessli vreni u hans

  3. Unsere Lieben, dank eurem super Bericht und den wunderschönen Fotos erleben wir eure erlebnisreiche Reise mit! Wir wünschen Euch eine gute Heimreise, fröie üs sehr uf öich Zwöi! Vili liebi Grüess u Küss ,Marianne und Robi

  4. Ihr Lieben,
    eure Berichte sind super spannend und alle Fotos hervorragend!
    Wir wünschen euch jetzt schon eine gute Heimreise.
    Bis bald!
    Liebe Grüsse und Küsse
    Ruedi und Thery

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