Von den Augrabies Falls aus, hatten wir 5 Tage Zeit um zur heute gebuchten Unterkunft in Oudtshoorn zu fahren. Über Calvinia im Landesinnern machten wir einen Abstecher an die Westküste und danach ins nördlich von Stellenbosch gelegene etwas wenigere bekannte Weingebiet um Tulbagh, Worcester und Robertson. Heute fuhren wir die letzte Etappe über die Route 62 und über den Swartberg Pass bis Oudtshoorn.

Nach den Augrabies gings am Dienstag ziemlich geradeaus südlich. Bald hatten wir die Kalahari verlassen und es ging durch die grosse Karoo, eine trockene Halbwüste. Kilometer für kilometer ohne menschliche Zivilisation, ab und zu ein kleiner Weiler oder eine Farm. Nach 460 km erreichten wir schliesslich unser Tagesziel, Calvinia, eine kleine Stadt im Nirgendwo. Man merkte rasch, dass es hier für die Menschen keine grossen Perspektiven gibt. Weisse sind ü50, die Jungen wandern wohl in die grossen Städte aus. Die schwarzen haben grösstenteils keine oder schlecht bezahlte Jobs und viele hängen einfach herum. Calvinia ist ganz klar nur eine Durchgangsstation für Reisende.

Wir hatten über Airbnb ein Cottage am Rande der Stadt gemietet. Sehr schön, sehr gemütlich und wie alle unsere Unterkünfte bisher top eingerichtet. Hier lernten wir auch gleich etwas neues: „ Do you know what Load Shedding means?“ wurden wir von unserer Vermieterin gefragt. No, das sagte uns nichts.

Load Shedding in Südafrika ist nichts anderes als geplante Stromausfälle. Da die Ressourcen nicht ausreichen gibt es von ESKOM der südafrikanischen Stromversorgungsgesellschaft eine Planung für viele Regionen Südafrikas. Jede Region kommt einmal oder mehrmals täglich (immer um eine andere Zeit für ca. 2 Stunden an die Reihe und hat keinen Strom für diese Zeit). In Calvinia war nun also von 18.00 – 20.00 ein Stromunterbruch geplant. Für die Kocherei alles kein Problem, da in der Küche ein Gasherd stand, aber die Sonne ging hier um 18.30 Uhr unter. Damit wir trotzdem eine Lichtquelle hatten, drückte uns die Frau eine Notlampe in die Finger.

Dieses Load Shedding haben wir nun jeden Tag erlebt, manchmal am Morgen, am Nachmittag, am Abend oder auch in der Nacht. Die Südafrikaner leben damit tagtäglich und werden das Problem in naher Zukunft wohl nicht lösen können. Obwohl hier mit Sonnen- oder Windenergie noch viel mehr gemacht werden könnte.

Am nächsten Morgen gings weiter Richtung Westküste. Wir waren vor 12 Jahren mal eine Nacht im schönen Örtchen Paternoster und ich wollte den Ort unbedingt wieder sehen. Ursprünglich war geplant dort eine Übernachtungsgelegenheit zu suchen, dann fand ich jedoch im etwas nördlich gelegenen St. Helenas Bay eine wunderschöne Unterkunft direkt am Meer und buchte dort zwei Übernachtungen.

Von Calvinia ging es also zuerst südlich über den Botterkloof Pass und den Pakhuis Pass. Eine ziemlich abenteuerliche Strecke zuerst über Gravel Road, danach zwar über geteerte Strassen aber sehr abwechslungsreich. Von grandiosen Bergkulissen mit schönen Steinformationen über Schotterpisten direkt am Abgrund bis zur Kuhherde, welche über die Strasse getrieben wurde, gab es immer wieder neues zu erleben. Nachdem wir die Stadt Clanwilliam erreicht hatten ging es dann gegen Westen Richtung Atlantik.


Schliesslich erreichten wir Lamberts Bay ein wichtiger Fischereihafen Südafrikas mit seiner Sehenswürdigkeit Bird Island. Auf dieser kleinen Insel, die nur 100m vom Festland entfernt und über einen Wellenbrecher erreichbar ist, nisten momentan gerade Tausende von Kaptölpel. Der Lärm und der Gestank der Vögel ist bestialisch. Trotzdem suchten wir den Birdhide auf, um die Vögel zu beobachten und zu fotografieren. Mit Glück hätte man auch noch Pinguine und Robben sehen können. Diese waren aber wohl gerade zur Jagd auf dem Meer.


In Lamberts Bay genehmigten wir uns anschliessend noch ein Mittagessen mit Fisch. Danach gings weiter der Küste entlang bis wir schliesslich unser Tagesziel St. Helenas Bay erreichten. Im Ortsteil Shelley Point erwarteten uns bereits Sandy und Douglas die Vermieter unserer Unterkunft. Das Studio mit Balkon und Grill direkt am Meer war genau wie im Inserat sehr schön und neuwertig eingerichtet. Als Willkommensgeschenk wartete eine Flasche Rotwein, Pralinen, Brownies, Amarula Cream und noch viele andere Kleinigkeiten auf uns.

Shelley Point rühmt sich einer von drei Orten auf der Welt zu sein, an dem man am selben Strand den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang sehen kann. Unser Studio war gegen den Sonnenaufgang gerichtet, doch tatsächlich nach ca. 10 Minuten Fussweg alles am Meer entlang konnten wir um 18.45 Uhr einen wunderschönen Sonnenuntergang sehen. Anschliessend grillierte uns Adi leckeres Rumpsteak von der Upington Butchery mit verschiedenem Gemüse auch vom Grill.

 

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